6’6” X 21” X 2 3/4” = HAPPINESS

Julian macht sich alles selbst. Sehr gut sogar.

Text: Jules Ahoi
Fotos: Stefanie Herbst
Soundtrack: Thee Oh Sees – Stick Hulks

Alles fing an mit einem gesnappten Board. Oh verzeih mir.. natürlich nicht irgendein gesnapptes Board – Nein. DAS Board war im Eimer. Mein liebstes, mein jüngst erst zur Familie dazu adoptiertes, schönstes… mein Happy-Hippie-Zebra-Singlefin. 

Dieses Board war an sich, sagen wir, kein Neuwagen mehr. Durchgereicht durch die Binsurfen Familie (SecondSurf Gruppenmitglieder wissen was das heißt), oft repariert, geliebt und gesurft, landete es schlussendlich bei mir. Outsourcing an die Flitzpiepe sozusagen.

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Lange Rede, kurzer Sinn – nach 3 Monaten unendlich viel Freude und noch viel mehr Wellen auf dieser wunderschönen Komposition von Glasfaser und Schaumkern, kam der Tag meines Geburtstages – der ganz zu meiner Freude in Seignosse mit Offshore und kopfhohen Wellen gefeiert werden durfte. Als ich abends nach der vierten Session das Wasser verließ, waren meine Arme so lahm, dass ich mein Brett fast nicht mehr zum Bulli schleppen konnte. 

Leider geschah dies nicht ausschließlich auf Grund der abartigen Paddelarbeit die ich geleistet hatte, sondern größtenteils wegen der mindestens 100 Liter Atlantikwasser die sich über den Tag in den Schaumkern des Zebras gesaugt hatten. Kacki.

 

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Meiner unbändigen Liebe zur Folge fand das Zebra seinen Weg zu den Profis von Euroglass – DER Boardschmiede Europas. Hier shaped, designed, repariert, glassed und sanded alles was in der Surfszene Rang und Namen hat. Netterweise versuchte man hier in einer Notoperation das Unmögliche möglich zu machen – mit mäßigem Erfolg. Um es mit den Worten von Christiaan Bradley auszudrücken: ”This Board is super fucked!”.

Mein liebes Zebra gelang somit zu trauriger Berühmtheit und ich werde heute noch im Coolin von Euroglass-Mitarbeitern auf die Schrottplanke angehauen (”AAAH – you are the dude with this super fucked board???”). Rest in Peace Zebra.

 

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Nun ist es nicht so, dass ich kein anderes Brett hab welches ich hätte surfen können – wenn ich denn gewollt hätte.. Doch in Anbetracht der Umstände sah ich den Tod des Zebras als Schicksalsschlag und vor allem als höhere Gewalt an, die mich im Normalfall der Fälle dazu verleitet dem Übel ins Auge zu sehen, meinen Dispo in Anspruch zu nehmen und mir ein neues Board zu kaufen. Aus Trotz. 

 

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Diesmal nicht. Meine Finanzsituation ließ wirklich keine größeren Investitionen mehr zu und außerdem hatte ich Zeit, Lust und durch einen glücklichen Zufall gerade erst den Kontakt zu einem Shaper Kollektiv hergestellt. Immer schon hatte ich den Gedanken mir mein eigenes Board zu shapen – wer kennt das nicht? Den Traum auf etwas Selbstgebautem zu surfen. Die Möglichkeit in jeden einzelnen Arbeitsschritt sein eigenes, kleines bisschen Magie zu stecken und das Board aus seinem Kopf in Form und vor allem in Glas zu verewigen. 

 

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Die Jungs vom Blank Surfshack in Anglet (www.blanksurfshack.com) bieten einem genau diese Möglichkeit. Hier wird einem alles nötige Werkzeug, die Räumlichkeiten und vor allem das nötige Know-How zur Verfügung gestellt um seine Idee zu realisieren. 

Und wie ich meine Idee realisierte – nach ca 5 langen und staubigen Arbeitstagen lag es vor mir. Das schönste Board der Welt. Ein 6’6” x 21 x 2 3/4 Singlefin straight outta 70’s mit einem selbstgebatikten Bettbezug als Patch. Disko.

Und dann fing die Zeit des Leidens an…

 

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Das Harz welches mit Härter versetzt wird und anschließend über die auf dem Schaumkern liegenden Glasfasermatten gegossen wird, muss aushärten… Lange aushärten… Mindestens 3 Wochen sollte das Board Zeit haben zu trocknen, damit man nicht das ganze Top eindrückt und man nach der ersten Session schon überall Dings hat. Und ich hätte es auch fast geschafft aber dann waren die Wellen so gut und der Wind war genau richtig und dann waren auch noch kaum Leute im Wasser und die Sandbank direkt vor der Haustür war die Beste weit und breit und dann hat es halt nur 5 Tage getrocknet – egal. Der Surf war EPISCH!!!

Das Gefühl mit einem selbstgebautem Board die erste Welle anzupaddeln, den ersten Take-Off zu machen und deine erste Welle mit etwas zu surfen was du ”erschaffen” hast – unbeschreiblich. War mit Sicherheit nicht das letzte selbstgeshapte Board in meinem Leben.

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